Fallstudien

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter durch die Arbeitsplatzgestaltung erh?hen

Initiativen wie Beratungsangebote für Mitarbeiter sollten nur einen kleinen Teil einer umfassenden Strategie für mehr Wohlbefinden ausmachen

Ist es m?glich, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass die Angestellten ihn gesünder verlassen, als sie ihn betreten?

Mit dieser Frage setzen sich engagierte Arbeitgeber heutzutage immer h?ufiger auseinander – aus gutem Grund. Es wird zunehmend wichtiger, sich für das Wohlbefinden der Angestellten einzusetzen. Wer es nicht tut, geht ein Risiko ein.

Denn der Stress am Arbeitsplatz nimmt zu, was zu einem Anstieg der Krankheitstage und der Kosten sowie zu einer Verringerung der Produktivit?t und des Umsatzes führt. Forschungsergebnisse des Gallup Marktforschungsinstituts zeigen, dass ganze zwei Drittel der Vollzeitangestellten einen arbeitsbedingten Burnout erleiden. Die Weltgesundheitsorganisation hat Burnout als ernstzunehmendes arbeitsbedingtes Problem eingestuft, ?das entsteht, wenn auf chronischen Stress am Arbeitsplatz nicht ad?quat reagiert wird“.

Gleichzeitig stehen weltweit immer weniger qualifizierte Arbeitskr?fte zur Verfügung. Diese k?nnen somit sehr viel anspruchsvoller bei der Auswahl der Unternehmen sein, für die sie arbeiten m?chten. Dies trifft insbesondere auf die Millennials zu, die inzwischen gr??te auf dem Arbeitsmarkt vertretene Generation.

Wellbeing Through Workplace Design
? Daniel Vieser/Architectural Photography/Karlsruhe, Germany

Diese Generation der Angestellten hat ihre eigenen Vorstellungen davon, was Arbeitgeber bieten sollten und zeigt insgesamt deutlich weniger Loyalit?t gegenüber Unternehmen. Laut einer 2018 von Deloitte durchgeführten Studie, an der Angestellte aus 36 L?ndern teilnahmen, planen 43% der Millennials, ihre jetzige Stelle im Laufe der n?chsten zwei Jahre zu wechseln, um für ein Unternehmen zu arbeiten, das ihnen angenehmere Rahmenbedingungen bietet.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Arbeitgeber inzwischen bereit sind, ihre Strategien zur Erh?hung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz zu überdenken und alle dazugeh?rigen Aspekte kritisch zu untersuchen – von Sozialleistungen über Vergünstigungen bis hin zum Arbeitsplatzdesign. Sie sind entt?uscht vom geringen Erfolg von Initiativen zur Steigerung des Wohlbefindens, wie z.B. Beratungsangeboten für die Mitarbeiter. Allerdings ist vielen Unternehmen auch nicht klar, welche Richtung sie als n?chstes einschlagen sollten.

Eine Kultur des Wohlbefindens

Für den Pharmazieriesen Boehringer Ingelheim war es im Laufe der 130-j?hrigen Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens immer von zentraler Bedeutung, seinen Angestellten einen gro?artigen Arbeitsplatz zu bieten. Heute hat das Unternehmen mehr als 50.000 Angestellte an über 180 Standorten in Europa, Nord- und Südamerika und Asien. Nichtsdestotrotz ist es dem Unternehmen weiterhin ein gro?es Anliegen, eine Kultur zu leben, die progressiv und fürsorglich zugleich ist.

?Es ist wichtig, dass wir den Mitarbeitern erm?glichen, kreativ und innovativ zu sein“, sagt Hagen M?rbel, der die Gestaltung der neuen, modernen Anlage am Stammsitz des Unternehmens im schw?bischen Biberach übernommen hatte.

Die Anlage beheimatet seit 2018 die weltweit gr??te Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens und wurde mit gro?er Sorgfalt als agile Arbeitsumgebung gestaltet, in der Teamwork und Innovation erfolgreich umgesetzt werden k?nnen. Um dies zu erm?glichen, war es allerdings n?tig, sich von den traditionell in Deutschland beliebten Einzelbüros zu verabschieden und stattdessen eine von M?rbel als ?Smart Design“ bezeichnete offene Arbeitsumgebung zu erschaffen.

Anwenderorientiertes Design

Ein Gro?teil dessen, was in den neuen R?umlichkeiten als ?smart‘ bezeichnet werden kann, ist darauf zurückzuführen, dass die Angestellten sich bei der Gestaltung der R?ume einbringen konnten. Die Mitarbeiter wollten zwar besser im Team zusammenarbeiten, wünschten sich gleichzeitig aber auch ruhige Ecken und Rückzugsorte, an denen sie v?llig ungest?rt arbeiten konnten.

“Die Arbeit wird schwieriger und komplexer. Es werden mehr Mitarbeiter dafür ben?tigt. Jetzt haben wir R?ume, die Energie zurückgeben.“

Hagen M?rbelProject Manager

Laut M?rbel fühlen sich Europ?er generell in gro?en, offenen Umgebungen, in denen sehr viele Mitarbeiter arbeiten, weniger wohl als Menschen aus den Vereinigten Staaten. Diese kulturelle Diskrepanz beeinflusste die Entscheidung, im neuen Geb?ude in Biberach anstatt gro?fl?chiger offener R?ume kleine Zonen für 12 bis 40 Personen zu schaffen.

Bei der Raumplanung stellte sich au?erdem heraus, dass die Angestellten generische, standardm??ige R?ume wenig inspirierend fanden. Es war allerdings ganz besonders wichtig einen Weg zu finden, wie sich die 800 Mitarbeiter, die ihre Einzelbüros verlassen würden, um im neuen Geb?ude zu arbeiten, mit ihrem Unternehmen identifizieren und ein Gefühl der Zugeh?rigkeit entwickeln konnten. Aus diesem Grund bat man die Mitarbeiter um Hilfe bei der Auswahl von gro?en Fotografien nahegelegener Orte, die an den W?nden der neuen R?ume angebracht werden sollten.

Wellbeing Through Workplace Design
? Daniel Vieser/Architectural Photography/Karlsruhe, Germany

?Bei uns h?ngen keine Fotos von den Malediven, Costa Rica oder irgendeinem anderen weit entfernten Ort“, erl?utert M?rbel. ?Wir sehen Bilder von vertrauten Orten. Dadurch k?nnen sich die Angestellten gut mit ihrem Arbeitsplatz identifizieren.“

Aber so ansprechend die neue Anlage auch ist – ihr Zweck geht laut M?rbel weit über ihre ?u?ere Erscheinung hinaus: ?Es geht darum, Energie anzuregen. Die Arbeit wird schwieriger und komplexer. Es werden mehr Mitarbeiter dafür ben?tigt. Jetzt haben wir R?ume, die Energie zurückgeben.“

Das Wohlbefinden am Arbeitsplatz l?sst sich steigern, wenn Unternehmen ihre Ressourcen und Zeit auf Strategien ausrichten, die nicht in erster Linie auf die Senkung der Gesundheitsausgaben und eine erh?hte Produktivit?t abzielen. Anstatt sich haupts?chlich darauf zu konzentrieren, dass sich die Investitionen in das Wohlbefinden der Mitarbeiter fürs Unternehmen finanziell bemerkbar machen, geht es vielen Unternehmen heute darum, einen Mehrwert zu schaffen, indem sie sich besser um ihre Angestellten kümmern.

Im Gegenzug für diese Bemühungen sind ihre Angestellten loyaler und engagierter und fühlen sich ihrem Unternehmen verbunden.

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