Privatsph?re

Fokussiertes Arbeiten

Wie visuelle Privatsph?re in offenen Arbeitsumgebungen die Konzentration f?rdert

Eine neue Studie, die Steelcase in Abstimmung mit der University of Wisconsin- Madison erstellt hat, zeigt, dass es genu?gt, fu?r visuelle Privatsph?re zu sorgen, damit sich die Angestellten in lauten, offenen Bu?roumgebungen konzentrieren k?nnen.

Offene Arbeitsumgebungen stehen weltweit in der Kritik. überall werden Stimmen laut, die sagen, dass sie zu viel Ablenkung zulassen, nicht genug Privatsph?re bieten und somit nur einen weiteren Stressfaktor im Bu?roalltag darstellen. Aber die Datenlage zeichnet ein anderes Bild – mehr visuelle Privatsph?re hilft, die Ablenkungen, u?ber die sich die Angestellten beschweren, deutlich zu reduzieren. Wenn Unternehmen sowohl die Bedu?rfnisse einzelner Mitarbeiter als auch die von Teams beru?cksichtigen, k?nnen alle Beteiligten von offenen Arbeitsumgebungen profitieren.

Das Forschungsprojekt

Um besser zu verstehen, wie sich eine offene Arbeitsumgebung auf die Arbeitsleistung auswirkt, hat Steelcase WorkSpace Futures Manager Caroline Kelly eine Studie zu dauerhafter Aufmerksamkeit durchgefu?hrt. Dauerhafte Aufmerksamkeit ist die Voraussetzung fu?r alle Arbeitsabl?ufe und erm?glicht engagiertes und konzentriertes Arbeiten.

Man sitting on a Brody while working

Kelly beriet sich hierbei mit CHM, dem Center for Healthy Minds (Zentrum fu?r Gehirngesundheit) der University of Wisconsin-Madison. Das CHM ist eine der weltweit fu?hrenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Gehirn- und Emotionsforschung. Dr. Richard Davidson, Gru?nder und Leiter des CHM und Autor des Buchs ?The Emotional Life of the Brain” (?Wie die Gehirnstruktur unsere Emotionen bestimmt“), war schon immer fasziniert vom Zusammenhang zwischen Umgebung und Wohlbefinden. Eine seiner Kolleginnen am CHM, die Wissenschaftlerin Elena Patsenko, half Kelly bei der Ausarbeitung der Studie und stand w?hrend der Studienlaufzeit beratend zur Seite.

Knapp 70 Teilnehmer der Untersuchung absolvierten den SART Aufmerksamkeitstest, mit dessen Hilfe sich feststellen l?sst, wie gut man sich konzentrieren kann, wenn man st?ndigen Ablenkungen ausgesetzt ist. Die Teilnehmer mussten anhand eines bestimmten Signals entscheiden, ob sie eine Taste dru?cken oder nicht. Die Forscher ermittelten u?ber die Reaktionszeit, Fehlerrate und den Fehlerabstand, wie konzentriert die Teilnehmer waren.

Wenn Unternehmen sowohl die Bedürfnisse einzelner Mitarbeiter als auch die von Teams berücksichtigen, k?nnen alle Beteiligten von offenen Arbeitsumgebungen profitieren.

Die Mitwirkenden waren hierbei in zwei unterschiedlichen offenen Arbeitsbereichen untergebracht:

  • An einer Bench fu?r zwei Personen ohne abgrenzende Elemente
  • In der Brody WorkLounge (einem Einzelarbeitsplatz mit umlaufendem Sichtschutzelement)

Jeder Teilnehmer fu?hrte den Test in beiden Konfigurationen durch, um einer Verf?lschung der Ergebnisse entgegenzuwirken. Zur Simulation eines authentischen Bu?rosettings sa?en zwei Teilnehmer nebeneinander an der Bench. Im Hintergrund wurden typische Ger?usche einer offenen Bu?roumgebung abgespielt.

People working on a bench

Die Ergebnisse

Visuelle Privatsph?re in offenen Bu?roumgebungen tr?gt dazu bei, dass sich die Mitarbeiter deutlich besser konzentrieren k?nnen als in einer offenen Umgebung, in der sie nicht vom Geschehen abgeschirmt sind.

Wenn sie im Brody sa?en, war die Reaktionszeit der Teilnehmer deutlich langsamer als an der Bench – und das ist ein gutes Zeichen. Eine langsamere Reaktionszeit ist ein Zeichen fu?r Fokus, Konzentration und Engagement. Im Brody unterliefen den Teilnehmern weniger Fehler und es gab weniger Abweichungen in der Reaktionszeit, was auf eine durchgehend gute Konzentration schlie?en l?sst.

Auf Anhieb wu?rde man meinen, dass eine langsamere Reaktionszeit nachteilig ist, aber Patsenko erkl?rt, warum dies nicht der Fall ist: ?Eine schnellere Reaktionszeit bedeutet, dass die Teilnehmer automatische oder gedankenlose Antworten geben, ohne den eintreffenden Reiz sinnvoll zu verarbeiten oder einzuordnen.“ Sie weist auch darauf hin, dass schnellere Reaktionen mit h?heren Fehlerraten, abschweifenden Gedanken und Ablenkung einhergehen.

Man sitting on a brody worklounge chair by steelcase

Visuelle Privatsph?re tr?gt dazu bei, dass sich die Mitarbeiter deutlich besser in offenen Büroumgebungen konzentrieren k?nnen.

Das Gehirn ermu?det

Angestellte klagen daru?ber, dass sie sich in offenen Arbeitsumgebungen schwer konzentrieren k?nnen und die Neurowissenschaft kennt den Grund dafu?r. Untersuchungen zeigen, dass der pr?frontale Kortex, also die Gehirnregion, in der der Gro?teil der Wissensarbeit stattfindet, viel Energie ben?tigt und pr?destiniert fu?r Ablenkungen ist. Der Mensch kann seine Aufmerksamkeit immer nur gezielt auf eine einzige Sache richten. Ohne die M?glichkeit zur Erh?hung der Privatsph?re befinden sich Angestellte in offenen Arbeitsumgebungen somit st?ndig in der Schusslinie von allen m?glichen Ablenkungen, was dazu fu?hrt, dass sie sich deutlich mehr anstrengen mu?ssen, um ihre Arbeit zu erledigen. Die Kombination aus nachlassender Konzentration und steigender kognitiver Beanspruchung ebnet den Weg fu?r automatische Entscheidungen, die auf suboptimalen Denkprozessen basieren.

Dazu kommt noch, dass wir als soziale Wesen von Natur aus danach streben, von unserem sozialen Umfeld akzeptiert und gesch?tzt zu werden, was uns noch ablenkbarer macht. Denn um m?glichst viel Akzeptanz von unseren Kollegen zu erhalten, u?berpru?fen wir in Anwesenheit anderer st?ndig unser Verhalten und Auftreten, um sicherzugehen, dass es den Normen und Werten unserer Kultur entspricht. Aber diese st?ndige Selbstkontrolle ist st?rend und raubt viel Energie. Aus diesem Grund sind Angestellte nach einem Arbeitstag, an dem sie sich permanent wie auf dem Pr?sentierteller gefu?hlt haben, oft v?llig ersch?pft.

People working on a brody worklounge by Steelcase

 

?Es gibt keinen Grund, offene Arbeitsbereiche oder Tischgruppen aufzugeben. Sie müssen einfach anders gestaltet werden.“

Caroline KellySteelcase WorkSpace Futures Manager

Offene Arbeitsbereiche gestalten

Bei Beschwerden u?ber offene Arbeitsbereiche wird meistens u?ber L?rm und Ablenkung durch Unterhaltungen gesprochen. Viele bauen auf akustische Privatsph?re als einzig wahre L?sung fu?r das Problem. Die Studienergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Angestellte in offenen Arbeitsbereichen diese nicht zwingend brauchen, um sich konzentrieren zu k?nnen. Bei der Arbeit im Brody hatten die Teilnehmer mehr visuelle und territoriale Privatsph?re, konnten ihre Konzentrationsf?higkeit verbessern und waren engagierter bei der Sache. Bei der Einrichtung von offenen Arbeitsumgebungen sollten also verschiedene Optionen fu?r die Gestaltung der Privatsph?re zur Verfu?gung gestellt werden, damit sich die Mitarbeiter den Bereich aussuchen k?nnen, der fu?r sie und ihre Aufgaben am besten geeignet ist.

Hei?t das, wir sollten in Zukunft auf Bench-L?sungen verzichten? Das w?re zu voreilig. Offene Arbeitsbereiche bieten nicht zu untersch?tzende Vorteile: sie erm?glichen einen weiten Blick in die Umgebung und bieten oft eine gro?zu?gige Raumh?he mit hohen Decken. Diese physischen Attribute helfen uns im w?rtlichen sowie u?bertragenen Sinn, eine andere Perspektive einzunehmen. Dies fu?hrt dazu, dass im Gehirn neue Verknu?pfungen entstehen und wir die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten k?nnen. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass Teilnehmer, die an einer Bench arbeiten, deutlich kreativer sind. Bei einem Wort-Assoziationstest hatten die Teilnehmer eine Minute Zeit, um ein Wort zu finden, das eine Gemeinsamkeit mit drei anderen W?rtern aufwies. Wenn sie sich im Bench-Setting befanden, beantworteten die Teilnehmer die Aufgabe h?ufiger richtig, was darauf hindeutet, dass sie die Worte schneller auf abstraktere Weise kombinieren konnten.

Untersuchungen legen nahe, dass verminderte Konzentrationsf?higkeit unser divergentes und kreatives Denken verbessert und so unsere F?higkeit zur Probleml?sung erh?ht. ?Zusammen mit Teamkollegen an einer Bench zu sitzen, kann genau das Richtige sein, um ein Problem gemeinsam anzugehen. Gleichzeitig ist es besser, Aufgaben, die ein hohes Ma? an Konzentration erfordern, in einem Bereich zu erledigen, der eine Abgrenzung oder visuelle Privatsph?re bietet.“

Die Versuchsumgebung: Zwei offene Arbeitsbereiche

360 Article illustration

Konzentrationstest

Teilnehmer des SART Aufmerksamkeitstests machten bei Entweder/Oder-Entscheidungen deutlich weniger Fehler, wenn sie Brody nutzten, als wenn sie an einer Bench sa?en. Dies weist darauf hin, dass Brody zu anhaltender Konzentration beitr?gt.

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41 % der Entweder/Oder-Entscheidungen waren falsch, wenn die Teilnehmer Brody nutzten
Ilustration
49 % der Entweder/Oder-Entscheidungen waren falsch, wenn die Teilnehmer an der Bench sa?en

Kreativit?tstest

Zus?tzlich wurden die kreativen F?higkeiten der Teilnehmer im Rahmen eines Wort-Assoziationstests gepru?ft. Die Ergebnisse zeigen, dass Teilnehmer, die an einer Bench arbeiten, statistisch deutlich mehr Fragen richtig beantworten konnten.

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41 % der Fragen wurden richtig beantwortet, wenn die Teilnehmer Brody nutzten
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43 % der Fragen wurden richtig beantwortet, wenn die Teilnehmer an der Bench sa?en

Das ?Ich‘ im Team unterstu?tzen

Aus diesem Grund sollte man den Angestellten im Idealfall eine Vielzahl an verschiedenen R?umen, die ein unterschiedliches Ma? an Privatsph?re bieten, zur Verfu?gung stellen. So kann jeder den fu?r seine jeweilige Aufgabe am besten geeigneten Raum w?hlen. Das bedeutet, dass am besten bereits bei der Raumgestaltung das ?Ich‘ im Team beru?cksichtigt wird, um neben Teamaktivit?ten auch konzentrierte Einzelarbeit zu erm?glichen. Das mag sich recht banal anh?ren, aber die Herausforderung beim Raumdesign besteht darin, den richtigen Abstand zwischen Bereichen zur Konzentration und Bereichen zur Interaktion zu finden: Wenn die Bereiche nicht weit genug voneinander entfernt sind, st?rt die Gruppe einzelne Mitarbeiter, die sich konzentrieren m?chten. Liegen sie zu weit auseinander, ist es unwahrscheinlich, dass die Bereiche fu?r fokussiertes Arbeiten u?berhaupt genutzt werden.

Jeder Mensch hat individuelle Bedu?rfnisse, was Privatsph?re und Konzentration angeht. Fokussiert alleine zu arbeiten ist genauso wichtig fu?r kreative Prozesse wie die Zusammenarbeit mit anderen. Die Mitarbeiter sollten die M?glichkeit haben, sich in Ruhe zu erholen und Energie zu tanken, sich voll in ihre Aufgaben zu vertiefen, um im Anschluss wieder produktiv im Team zusammenzuarbeiten.

?Es gibt keinen Grund, offene Arbeitsbereiche oder Tischgruppen aufzugeben“, erkl?rt Kelly. ?Sie mu?ssen einfach anders gestaltet werden.“ Private Nischen in Gemeinschaftsbereichen und M?bel wie Brody k?nnen bestehende R?umlichkeiten von Bereichen voller Ablenkung in angenehme Orte verwandeln, an denen die Angestellten sowohl zusammenarbeiten als auch konzentriert ihren eigenen Aufgaben nachgehen k?nnen.

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